Die traurige Manege des Leidens: Tierquälerei im Zirkus

Bunte Zelte, funkelnde Lichter und scheinbar magische Vorstellungen – der Zirkus ist schon lange eine Quelle der Unterhaltung für Familien auf der ganzen Welt. Doch hinter den Kulissen verbirgt sich eine düstere Realität, mit der wir uns auseinandersetzen müssen – das unbestreitbare und oft versteckte Leiden der Tiere.

Stelle dir für einen Moment das Leben eines Löwen vor, majestätisch und mächtig in der Wildnis. Mit einem Revier von bis zu 400 km² und einem Rudel als Familie. Denke nun an denselben Löwen, eingepfercht in einen kleinen engen Käfig, gezwungen, Kunststücke zu performen, die seiner Natur fremd sind. Dies ist der drastische Unterschied zwischen einer Welt des Zirkus und der Welt, die diese Tiere eigentlich bewohnen sollten. Tiere wie Elefanten, Tiger, Giraffen und viele andere sind einem Leben in Gefangenschaft und Ausbeutung für unsere Unterhaltung ausgesetzt.

Warum leiden Tiere im Zirkus?

Durch Reifen springende Tiger, auf dem Kopf stehende Elefanten und im Kreis laufende Pferde – dass das keine natürlichen Verhaltensweisen sind, ist klar. Doch auch hinter den Kulissen leiden die Tiere:

Mangel an natürlichem Verhalten

In freier Wildbahn beteiligen sich Tiere an komplexen sozialen Interaktionen, suchen nach Nahrung, durchstreifen weite Gebiete und erleben eine Vielzahl von Emotionen. In der Gefangenschaft werden diese natürlichen Verhaltensweisen stark eingeschränkt, was zu Frustration, psychischem Stress und Verhaltensstörungen führt.

Physische Misshandlung

Die Dressur von Tieren für Zirkusvorstellungen beinhaltet oft harte und unmenschliche Methoden. Peitschen, Stöcke und andere Werkzeuge werden verwendet, um Tiere zu zwingen, Kunststücke zu vollführen, was körperliche Schäden und emotionale Traumata verursacht. Raubtiere werden meist mit Peitschen und Stöcken dressiert, während bei Elefanten der sogenannte “Elefantenhaken” verwendet wird – ein Haken mit spitzem Metallende, der an sensiblen Stellen eingesetzt wird. Dadurch lernen die Tiere gewaltvoll Gehorsam und allein das Mitführen von Gegenständen wie Stöcken und Haken löst oft Angst aus. Außerdem werden durch Kunststücke wie Kopfstand und weitere unnatürliche Haltungen die Gelenke geschädigt.

Enge Käfige

Zirkustiere werden normalerweise in kleinen Gehegen oder Käfigen gehalten, was ihnen den benötigten Raum für Bewegung und sogar das ordnungsgemäße Strecken ihrer Gliedmaßen verwehrt. Elefanten wandern beispielsweise in der Natur stundenlang mit ihren Familien umher. Selbst ein Auslauf von 1000 m² wäre für einen Elefanten zu wenig – ein Zirkus kann also niemals den nötigen Auslauf und die Beschäftigung bieten, die ein Wildtier bräuchte. Dies führt häufig ebenfalls zu Gelenkschäden, Fettleibigkeit und einem frühen Sterben der Tiere.

Ständige Transporte 

Zirkustiere sind ständig unterwegs und erleben lange Reisen in engen Behausungen. Der Stress des Reisens, laute Geräusche und unbekannte Umgebungen verschlimmern ihr Leiden.

Witterung

Im Winter ist es auch einfach zu kalt für Tiere, die eigentlich in wärmeren Regionen zuhause sind. Deshalb müssen sie die kälteren Jahreszeiten oft durchgehend in ihren engen Boxen und Käfigen verbringen.

Ist es okay, wenn domestizierte Tiere im Zirkus auftreten?

Falls du dich nun fragst, ob ein Zirkus mit Tieren wie Hunden, Pferden, Ziegen und weiteren Tieren, bei denen es sich nicht um Wildtiere handelt, besser ist: Auch sie leiden im Zirkus. Denn auch Pferde, Lamas oder Ziegen werden ständig in engen Boxen transportiert. Auch Hunde, Tauben oder Enten müssen funktionieren und unter stressigen Bedingungen auftreten. Dröhnende Musik, ein großes Publikum und grelle Lichter – all das führt auch bei domestizierten Tieren zu enormen Stress. Und auch diese Tiere werden oft unter harten Bedingungen dressiert, ohne dass dabei der Spaß oder das Wohlergehen des Lebewesens im Vordergrund steht.

Die Geschichte vom Zirkuspony Miela

Miela ist ein ehemaliges Zirkuspony und hat wohl bei einer Trainingseinheit ihr Augenlicht verloren. Da sie für den Zirkus so keinen Nutzen mehr hatte, zog dieser ohne sie weiter und ließ sie mit ihren Verletzungen und verwachsenen Hufen auf dem Acker zurück

Heute lebt Miela auf dem Lebenshof Vegan.Bullerbyn bei Nürnberg und kann ganz langsam wieder Vertrauen fassen. Durch ihr Schicksal hat sie ein Trauma erlitten und der Weg zur Heilung ist noch lang. Ihr Körper wird für immer gezeichnet bleiben – von einer Unterhaltungsform, die schon lange überholt ist.

Pacing, Weben, Lecken: Stress führt zu Verhaltensstörungen

All die oben genannten Punkte führen zu einem enormen Stress für die Tiere, was sich häufig in Verhaltensstörungen zeigt.

Stereotypien

Stereotypien sind sich wiederholende, scheinbar zwecklose Verhaltensweisen, die bei Tieren in Gefangenschaft auftreten. Dazu gehören beispielsweise das “Weben”, also das rhythmische Hin- und Herschaukeln des Kopfes oder des ganzen Körpers. Das Weben tritt hauptsächlich bei Pferden, Elefanten und Bären auf. Auch das ständige Laufen in Kreisen und Hin- und Herlaufen (“Pacing”) gehören zu solchen Verhaltensstörungen. Pacing tritt besonders bei Raubkatzen auf, daher kommt auch die Bezeichnung “auf und ab tigern”. Diese Verhaltensweisen treten in der Natur nicht auf und sind Ausdruck von seelischem Leiden, wie Langeweile, Frustration und Stress.

Aggression

Tiere in Gefangenschaft, insbesondere Raubkatzen, können aggressiver werden, sei es gegenüber Artgenossen oder Menschen. Der stetige Stress kann sich oft in Aggression entladen.

Apathie & Depression

Auf der anderen Seite können sich auch Anzeichen von Apathie und Depression zeigen. Die Tiere werden lethargisch, verlieren das Interesse an ihrer Umgebung und zeigen ein allgemein niedriges Aktivitätsniveau.

Veränderungen im Sozialverhalten

Sozial lebende Tiere, die einzeln gehalten werden oder nicht in der Lage sind, ihre natürlichen sozialen Strukturen zu bilden, zeigen oft Veränderungen in ihrem Sozialverhalten. Sie können sich zurückziehen oder versuchen, unnatürliche soziale Bindungen mit Menschen oder anderen Tieren einzugehen.

Essstörungen

Stress und Angst können zu Essstörungen führen, bei denen Tiere entweder zu viel oder zu wenig essen. Dies wiederum führt meist auch zu gesundheitlichen Problemen.

Selbstverletzung

In einigen Fällen führt Stress oder Frustration dazu, dass Tiere sich selbst verletzen. Sie können sich kratzen, beißen oder sich auf andere Weisen selbst schädigen.

Übermäßiges Putzverhalten

Aufgrund von Stress oder Langeweile entwickeln Tiere in Gefangenschaft auch oft ein übermäßiges Putzverhalten, bei dem sie sich obsessiv lecken oder putzen, was zu Hautproblemen führen kann. Bei Giraffen zeigt sich auch häufig ein übermäßiges Lecken an Zaunpfählen oder Käfiggittern.

Traumata

Viele Wildtiere im Zirkus sind Wildfänge, wurden also nicht im Zirkus geboren, sondern ihrer natürlichen Umgebung erst später entrissen. Oftmals werden dafür ganze Familien der Tiere getötet, wodurch die zurückgebliebenen Tiere häufig ein Trauma erleben.

Viele Länder verbieten Tiere im Zirkus bereits

In zahlreichen Ländern Europas und weltweit gelten bereits Verbote von Wildtieren, oder sogar ein Verbot aller Tierarten im Zirkus, also auch von domestizierten Tieren wie Hunden oder Pferden. In Italien und Griechenland dürfen beispielsweise gar keine Tiere mehr im Zirkus auftreten und in Ländern wie Österreich, Belgien, Dänemark, Skandinavien und vielen weiteren gilt zumindest ein generelles Verbot von Wildtieren im Zirkus. Deutschland ist damit eines der wenigen Länder, in dem es noch keine Beschränkungen gibt. Nur einzelne Städte können ein Verbot auf kommunaler Ebene beschließen, indem sie keine Flächen an Zirkusse mit Tieren vermieten. Das haben bereits Kommunen wie Berlin, Bonn, Darmstadt oder Erfurt so gemacht, allerdings meist nur mit einem Verbot für bestimmte Tierarten wie Elefanten, Bären und Giraffen.

Veränderung ist also in Sicht. Es kommt immer mehr ins Bewusstsein der Menschen, dass Tiere im Zirkus kein artgerechtes Leben führen können. Deutschland hinkt leider hinterher, was Verbote und Beschränkungen von Tieren im Zirkus angeht. Deshalb ist es umso wichtiger, dass auch wir uns der Bewegung anschließen, aufstehen und sagen: “Nie wieder.” Denn die grundlegendste Frage, die wir uns stellen müssen, ist diese: Sollten wir als Gesellschaft Vergnügen aus dem Leiden fühlender Wesen ziehen? Tiere im Zirkus sind keine Schauspieler:innen, die diesen Beruf frei gewählt haben. Es sind unschuldige Geschöpfe, denen ihre Freiheit und Würde genommen wurde.

Was kann ich tun? 

Es gibt viele Möglichkeiten, um gegen die Ausnutzung von Tieren im Zirkus aktiv zu werden und sich für die Rechte dieser Tiere einzusetzen:

Boykott von Zirkusvorstellungen mit Tieren: Die wohl einfachste und naheliegendste Weise, sich für Zirkustiere einzusetzen, ist, auf den Besuch von Zirkusvorstellungen mit Tieren zu verzichten. Dein finanzieller Verzicht trägt dazu bei, die Nachfrage nach solchen Veranstaltungen zu reduzieren.

Bildung & Aufklärung: Informiere deine Familie, Freund:innen und Kolleg:innen über die Probleme im Zusammenhang mit Tieren im Zirkus. Erkläre ihnen, warum diese Unterhaltungsform nicht artgerecht ist und fördere damit das Verständnis für Tierrechte und das Wohl der Tiere. 

Unterstützung von Petitionen & Verordnungen: Unterstütze Gesetzesänderungen oder neue Vorschriften, die sich für ein Verbot von Tieren im Zirkus einsetzen. Unter diesem Link kannst du eine Petition der Tierschutzorganisation PETA unterschreiben, die sich für ein Verbot aller Tiere im Zirkus in Deutschland einsetzt: https://www.peta.de/aktiv/tierverbot-zirkus-petition/#petition

Teilnahme an Demonstrationen: Nehme an Demonstrationen oder Kundgebungen gegen Tiere im Zirkus teil. 

Unterstützung von Tierrechtsorganisationen: Unterstütze Tierrechtsorganisationen, die sich gegen Tiere im Zirkus einsetzen. Du kannst spenden, dich als Freiwillige:r engagieren, oder Botschaften und Kampagnen in sozialen Medien verbreiten.

Schließe dich uns an: Auch wir veranstalten immer wieder Demonstrationen, Kundgebungen und andere Aktionen gegen Tiere im Zirkus. Du kannst uns auf viele verschiedene Weisen unterstützen. Sei es durch Plakate malen, Texte schreiben oder durch die aktive Teilnahme an Aktionen. Wir freuen uns auf dich!

Tierleidfreie Alternativen

Es gibt inzwischen zahlreiche tierleidfreie Alternativen zu Zirkussen mit Tieren, die mindestens genauso unterhaltsam sind. Statt auf Tieren basierenden Acts gibt es beispielsweise Zirkusse, bei denen nur Artist:innen auftreten. Von Jonglage bis zu Trapezkünsten – auch ohne Tiere wird hier spannende Unterhaltung geboten. Einige Zirkusse setzen außerdem immer mehr auf Hologramme. Im deutschlandweit bekannten Zirkus Roncalli werden seit einigen Jahren nur noch Hologramme von Tieren verwendet. Durch einen Laserbeamer werden zum Beispiel fünf Meter große Elefanten projiziert.

Auch andere kulturelle Veranstaltungen, wie Festivals, Musicals oder Theateraufführungen können eine gute Alternative zu Zirkussen sein. Schließlich geht es doch darum, eine schöne Zeit mit den Liebsten zu verbringen.

Die bunte Welt des Zirkus ist also oft nur Schein. Hinter der Manege zeigt sich das Leid der Tiere, die für unsere Unterhaltung misshandelt werden. Es ist Zeit, tierleidfreie Alternativen zu unterstützen und aktiv gegen die Ausbeutung von Zirkustieren einzutreten!

Quellen

Werde aktiv!

Möchtest du dich für die Rechte der Tiere und die Umwelt einsetzen und aktiv werden? Möchtest du Aktivismus auf der Straße und/oder online betreiben? Dann bist du bei uns genau richtig! Wir sind eine Gruppe von Menschen, die sich dafür einsetzen, dass die Welt ein besseres und gerechteres Zuhause für alle Lebewesen wird. Egal, ob du lieber online von zu Hause aus arbeitest oder auf die Straße gehen möchtest, um unsere Aktionen zu unterstützen, bei uns ist jeder herzlich willkommen. Melde dich bei uns und werde Teil unserer Gemeinschaft, die sich für eine bessere Zukunft einsetzt!